SEO als wissensintensives Handwerk

Vor einiger Zeit machte ein Artikel von Franz Keim die Runde, indem es um die psychologische Komponente im SEO, genauer um den Einfluss kognitiver Fehler ging. Vor allem auf Google+ wurde der Beitrag stark verbreitet. Das liegt sicherlich einerseits daran, dass dort viele SEOs unterwegs sind und sich selbst im Artikel wiedergefunden haben (wie immer bei psychologischen Themen: „Hey, jaaah! das ist bei mir genau so! Wahnsinn!“). Andererseits war der Beitrag auch einfach gut (–> guter Content, der auch noch auf einer emotionalen Ebene berührt = starke Verbreitung). Aber jetzt genug mit den Klammern, ich empfehle jedem diesen Artikel zu lesen. Es lohnt sich!

SEO ist keine Wissenschaft!

Trotzdem gab es am Anfang des Artikels einen Satz der mich ein bisschen verwundert hat: “’Ich lasse mich nur von Daten leiten. Schließlich ist SEO mehr Wissenschaft als Kunst.‘ Vermutlich würde das fast jeder SEO so unterschreiben…“. Ums mal kurz zu machen: Ich würde das so nicht unterschreiben. SEO ist meiner Meinung nach weder Wissenschaft noch Kunst. Wenn wir uns in diesen Kategorien bewegen ist es eher Handwerk, ein sehr Wissensintensives zwar, aber dennoch Handwerk. Die Verwendung von Daten erzeugt so etwas wie eine Illusion von Wissenschaft. Aber de facto liefert die Suchmaschinenoptimierung nie gesichertes Wissen, das die Menschheit in irgendeinem Sinne weiterbringt. Selbst die großen Analysen zu den Ranking Faktoren etc. der diversen Anbieter sind nur scheinbar wissenschaftlich. Eine Korrelationsanalyse ist zwar, wenn richtig angewandt, ein wissenschaftliches Instrument, aber das Untersuchungsobjekt ist eben immer (okay, meistens) Google. Und da Google ein von Menschen gesteuertes Privatunternehmen ist, unterliegt das was es tut nicht irgendwelchen Gesetzen, sondern menschlicher Willkür. Zwar wendet Google wissenschaftliche Methoden von Sprachwissenschaften bis Informatik usw. an, um Dokumente zu analysieren, zu speichern, zu ordnen, zu verwalten und schließlich auszugeben (siehe auch Architektur von Suchmaschinen / Information Retrieval). Letztlich unterliegt die Ausgabe der Suchergebnisse aber dann doch eigenen Kriterien, die nur teilweise und in ihrer Gewichtung gar nicht bekannt sind. Die Analysen zur Suchmaschinenoptimierung dienen nichts anderem als herauszufinden, welche diese willkürlichen Kriterien sind und wie sie gewichtet werden.

SEO ist wissensintensives Handwerk

In der Suchmaschinenoptimierung wird sehr viel mit Daten gearbeitet. Dabei handelt es sich, einfach formuliert, um Messdaten einer Maschine. Die Messdaten, die wir von der Maschine erhalten, nutzen wir um Rückschlüsse auf das zukünftige Verhalten zu ziehen. Diese Rückschlüsse basieren auf zwei Dingen: 1. Wissen und 2. Erfahrung.

Es ist ja nicht so, dass Google gar nicht verrät, was es benötigt, um Webseiten adäquat zu  indexieren und zu bewerten. Das wäre für sie sicherlich kontraproduktiv. Sie geben selber zahlreiche Tipps heraus, was man tun kann, damit die eigene Website bei Google besser dasteht. Diese Dinge muss man wissen, um eine Website für Suchmaschinen optimieren zu können. Ein gewisses Verständnis darüber, wie eine Suchmaschine funktioniert ist auch nicht verkehrt. Außerdem muss man auf einem möglichst aktuellen Stand darüber sein, welche Faktoren momentan besonders gut wirken und welche nicht. Dieses Wissen wird innerhalb der SEOsphäre selbst erzeugt und zwar durch Datenanalysen und individuelle Erfahrungen. Der Austausch dieser Erfahrungen ist dabei ein nicht zu unterschätzender Faktor. Dieses Wissen ist jedoch niemals gesichert, denn dreht Google nur an einer Schraube, können die Dinge schon wieder ganz anders aussehen.

Aus diesem Pool bezieht man das Wissen um Webseiten so einzustellen, dass sie von der Maschine gut angenommen und möglichst gut bewertet werden. Man kann auf diese Weise einigermaßen gute und wiederholbare Ergebnisse erzielen. Garantien gibt es jedoch niemals.

Kritisches Denken ist gefragt

Jetzt sind wir wieder beim Artikel von Franz Keim, denn er hat unter anderem auf ein generelles Problem hingewiesen, dass in der SEO-Szene herrscht. Mangels valider und allgemeingültiger Informationen sind die Blogs, Internetseiten, Sozialen Netzwerke, usw. voll von Anekdoten, Binsenweisheiten und Behauptungen. Eines der Hauptprobleme ist dabei, das zu oft Informationen ungefragt übernommen und verallgemeinert werden. Das kann fatal sein und zu vollkommen falschen Schlüssen führen. Daher sollte kritisches Denken im Umgang mit Quellen und Daten eine wesentliche Eigenschaft eines guten SEOs sein, um Informationen (egal ob in Form von Daten oder Text) zu Hinterfragen und zu bewerten. Sicherlich ist das nicht die einzige wichtige Eigenschaft, sie hilft aber enorm die Relevanz bestimmter Informationen für das eigene Projekt einzuschätzen. Das ist einer der Gründe, warum man immer wieder Geisteswissenschaftler in der SEO-Szene findet. Sie bringen das Handwerkszeug im Umgang, der Bewertung und Einordnung von Quellen und Informationen mit (dafür fehlt häufig das technische Know-How). Dazu empfehle ich dann wiederum den Artikel von Rike Günther. Und nun habe ich es geschafft, den Bogen zwischen diesen beiden Themen zu spannen. Das wollte ich schon seit Monaten und der Artikel von Franz Keim war der passende Anlass dazu.

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2 Kommentare
11.10.2013

Hallo David,

seh ich genauso wie du. SEO an sich ist keine Wissenschaft, aber es hilft natürlich – wie du auch geschrieben hast – wenn man wissenschaftliche Methoden zur Anwendung bringen kann, um Quellen und Informationen besser einzuordnen. SEO ist Lesen, Lesen und nochmals Lesen, der Austausch mit Anderen und idealerweise ausgiebiges Testen (sofern man dazu die Zeit findet).