Ausgehende Links
„Wir haben keine externen Links auf unserer Seite.“
„Und warum nicht?“, fragte ich mit einem verdutzen Lächeln.
„Das widerspricht unserer Firmenphilosophie.“ , war die Antwort.
„Aber Sie sind doch ein Suchdienst im Internet und Sie haben keine ausgehenden Links? Nichtmal zu Ihren Kunden?“
„Genau, ausgehende Links widersprechen unserer Firmenphilosophie.“
„Ja. Ähm … das sagten Sie bereits.“ Und nach diesem kurzen Dialog wusste ich, dass das dieses Projekt doch schwerer werden würde, als gedacht. Inzwischen weiß ich aber auch, dass diese Problematik viele SEO-Dienstleister betrifft.
Aber warum ist das so? Es ist ja nicht so als wäre mir dieser Linkgeiz nur in einem Projekt untergekommen. Scheinbar ist eine Reihe von durchaus erfolgreichen Unternehmern der Ansicht, Links auf andere Webseiten seien schlecht. Gab es mal eine Äußerung seitens des Google-Anti-Spam-Teams zu ausgehenden Links? Eher nicht. Das einzige was Google dazu schreibt ist, dass man es mit ausgehenden Links nicht übertreiben soll. Was wäre denn übertrieben? Zehn Links pro Seite? 100 Links pro Seite? Oder noch mehr? Wie viel ist zu viel? Nichts genaues weiß man nicht aber zehn Links auf einer Seite betrachte ich jetzt nicht als zu viel.
Fest steht, dass die derzeit wichtigste Suchmaschine ohne ausgehende Links aufgeschmissen wäre. Gut, heute ist das vielleicht nicht mehr ganz so gravierend. Anfangs aber war das Konzept der Google-Gründer revolutionär: Bewerte die Qualität einer Webseite anhand der Links, die von anderen Webseiten bei ihr eingehen. Und anhand der Qualität der linkgebenden Seiten. Mit diesem eigentlich simplen Ansatz hatte Google im Gegensatz zur Konkurrenz qualitativ deutlich bessere Suchergebnisse und konnte den Bewertungsprozess einer Webseite automatisieren. Ein weiterer wichtiger Punkt in Googles Erfolgsgeschichte.
Genug zum Siegeszug von Google. Mittlerweile ist der Bewertungsalgorithmus wesentlich komplexer, aber eingehende Links spielen immer noch eine große Rolle. Insbesondere für User, denn ein externer Link ist so ziemlich die beste Empfehlung, die man einer Webseite geben kann.
Warum gehören ausgehende Links nicht zur Firmenphilosophie?
Diese Frage bleibt unbeantwortet. Selbst wenn man sie den Unternehmern selbst stellen kann. Als Antwort habe ich bislang immer nur Plattitüden oder Halbwahrheiten gehört. Anscheinend ist das eher so ein Bauchgefühl-Ding: „Ich weiß nicht genau was Google macht, aber ich hab‘ mal gehört ausgehende Links wären schlecht.“ Und da will man sich natürlich nicht in die Nesseln setzen. Im Gegensatz zu gekauften Links. Das machen viele Unternehmer immer noch gerne obwohl inzwischen eigentlich alle wissen sollten, dass man sich mit gekauften Links richtig Ärger einhandeln kann.
Google bewertet Webseiten anhand von Links. Meiner Meinung nach spielen dabei auch ausgehende Links eine Rolle. Mindestens wird Google das Verhältnis von eingehenden zu ausgehenden Links erfassen. Und eine Site, die nur eingehende Links hat, ist sofort verdächtig.
Vielleicht liegt auch da das Problem, denn der ein oder andere bringt die Sachen eben durcheinander. Bei Links auf andere Webseiten sind sich manche nicht sicher, Links kaufen gehört aber in vielen Projekten (immer noch) dazu. Das ändert sich manchmal erst, wenn eine manuelle Maßnahme seitens Google vorliegt. Dann wird das Linkprofil zur Abwehr dieser Google-Maßnahme peinlich genau analysiert. Und kurz nachdem die fraglichen Links identifiziert und abgebaut werden und Google die Maßnahme für beendet erklärt, gibt es bereits wieder Budgets für den nächsten Linkkauf …
Das gute an ausgehenden Links
Man hat mit ausgehenden Links die Möglichkeit die eigene Seite / den Artikel in guter Nachbarschaft zu platzieren. Das heißt ein Link zu Wikipedia und/oder zu ein oder zwei Sachblogs und/oder Fachartikeln ist ein deutliches Signal an Google & Co: da ist eine neue Seite, die sich selbst für ein Thema relevant hält. Inwiefern das stimmt können die Suchmaschinen dann durch ihre Bewertungsalgorithmen ermitteln und durch das Userverhalten.
Ein Link, der freiwillig gesetzt wird freut jeden Seitenbetreiber. Er ist die Bestätigung für gute Arbeit. Manchmal entstehen durch einen solchen Link Verbindungen zwischen Unternehmen, die über das Internet hinaus gehen. Das können gemeinsame Projekte sein oder die beteiligten Personen lernen sich kennen und schätzen.
Nicht zuletzt kann man einen ausgehenden Link auch jederzeit wieder abbauen. Es gibt manche Seiten, die werden aufgebaut und dann verkauft. Kurz danach werden sie nochmal verkauft oder nicht mehr gepflegt oder verändern sich sogar zum negativen. Dann kann man den Link jederzeit wieder entfernen, ohne die Probleme, die entstehen, wenn man sich vertraglich dazu verpflichtet hat eine bestimmte Webseite zu verlinken.
Viele Partner freuen sich, wenn sie freiwillig verlinkt werden und so ihre eigene Seite gestärkt wird. Das kann ein Lieferant sein oder ein Partner, ein Dienstleister oder auch ein Kunde. Oft kommen dann auch Links auf die eigene Webseite zurück, ohne dass man diese aufwendig akquirieren muss.
Das Internet lebt davon, dass Links auf (gute) Webseiten entstehen und geteilt werden. Dem sollte man sich nicht verweigern, nur weil man mal ein Gerücht gehört hat oder die genauen Zusammenhänge unklar sind. Oder weil man das schon immer so gemacht hat.
Hallo Marko,
dieses Thema betrifft aber nicht nur Kunden. Auch viele Portale verfahren hiernach und werfen dabei sämtliche redaktionelle Richtlinien über Bord.
Wenn man davon ausgeht, dass Links eigentlich den Verweis auf eine Quelle darstellen, ist es absolut unsinnig zu sagen, dass man aus Beiträgen nicht verlinkt, weil das schnell nach Werbung aussieht.
Natürlich ist es „Werbung“. In einer Doktorarbeit ist es auch Werbung, wenn ich schreibe, dass ich XY bei AB gelesen habe…
So ist es halt.
Beste Grüße
Hendrik